Die japanische Marksburg

Ein "Disneyland" in Schwarz-Rot-Gold: "Klein Deutschland auf Okinawa"

Rheinische Burgenromantik hat ihren Reiz. Wenig bekannt ist aber, dass sich die Baukunst unserer Vorfahren auch auf der Höhe des Äquators bewundern lässt. Genauer: Auf Miyako Island, 300 km südlich der japanischen Pazifikinsel Okinawa. 
Zwischen Zuckerrohrplantagen und dem türkisblauen Meer stehen hier originalgetreue Kopien deutscher Landhäuser, eines Herrenhauses - und der Marksburg.
"Ueno German Culture Village" heißt das Ausflugsziel auf der strukturschwachen und nicht sehr großen Insel Miyako. Es ist ein kleines Disneyland in Schwarz-Rot-Gold. Fachwerkhäuser mit typisch deutschen Souvenirs, ein Landhaus mit deutscher Gastronomie und ein Schloss mit Übernachtungsmöglichkeiten.

 

Das "Deutsch-Disneyland" verdankt seinen Ursprung einer Handvoll Friesen. Sie gerieten 1873 mit ihrem Schiff vor der Küste Miyakos in einen Taifun und erlitten Schiffbruch. Entgegen den in jenen Tagen üblichen Gepflogenheiten retteten die Japaner die Deutschen. Kaiser Wilhelm I. soll von dieser Tat so beeindruckt gewesen sein, dass er in Miyako ein Monument errichten ließ. Die Anekdote der Rettung wird von den Japanern seitdem gerne überliefert. Als Erinnerung an die große Tat ihrer Vorfahren und als Zeugnis des internationalen Geistes der Bewohner.
Das kleine Stück Deutschland, das später hier entstand, ist genauso amüsant wie beeindruckend. Vor allem der Nachbau der Marksburg nötigt Respekt ab. Die nicht gerade kleine Burg wurde auf einer Felskuppe im Maßstab 1:1 nachgebaut. Selbst in ihrem Innern sieht sie fast aus wie das Original.

Wie kam die Marksburg an den Pazifik?

Die Geschichte nahm 1988 ihren Anfang. Vier Abgesandte der Insel reisten damals durch Deutschland und suchten nach einem Highlight für ihr geplantes deutsches Dorf. Aber die Besitzerin der Marksburg, die Deutsche Burgenvereinigung, fand einen Abriss und eine anschließende Weltumrundung ihrer im 13. Jahrhundert erstmals erwähnten Burg nicht so gelungen - Zitat des Präsidenten: "Wir sind eine Initiative für die Erhaltung der Burgen und nicht für deren Umsiedlung." - und hatte die Idee mit der Kopie, nicht zuletzt, um in Japan die echte Marksburg bekannt zu machen. Den Japanern gefiel dieser Gedanke, und nach einigen Verhandlungen war die Sache besiegelt. 1996 war die japanische Marksburg fertig, und bei der Eröffnung der japanischen Marksburg war natürlich auch eine Delegation der DBV dabei. 




Präsident Fürst Wittgenstein und 20 weitere Mitglieder ließen es sich nicht nehmen, die jährliche "Große Burgenfahrt" diesmal nach Japan zu veranstalten und den Anblick der gewohnten Burg vor blauem Pazifikstrand zu bewundern - ein bizarres Erlebnis!  Der Präsident: "Es ist wie ein deja-vú, es kommt einem sehr bekannt vor, aber irgendetwas stimmt nicht!" Vielleicht das gleichmäßige weiße Putzkleid? Vielleicht das Fehlen der gesamten Burgzwinger samt Batterien, Vogtsturm und Zugbrückentor? Vielleicht aber auch die für die rheinische Marksburg ungewohnte Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit...

(Quellen: Fotos: Tourist-Prospekt des "Ueno German Culture Village". Text: JOURNAL - Info der Japan-Airlines Nr. 33 vom 1.10.2000)

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